Marienbad: Nachts sind alle Häuser aus Zuckerguss. Tagsüber auch.

Letzte Woche war das Büro Für Alles endlich mal wieder unterwegs. Während aktuell die Zeichen auf viel Arbeit stehen, brauchte es kurz vor Ostern dringend mal eine kleine Verschnaufpause, bevor wir dann schon wieder zu Terminen in Stuttgart und Hannover eilten. Durchatmen wollten wir dort, wo die Luft gut ist, wo sich das Sehen für neue Inspiration lohnt, während man literweise frischen Sauerstoff durch die Lunge jagt. Wo das geht? In Tschechien!

Eigentlich sind wir ja kein Travel-Blog, aber wenn etwas gut ist, dann erzählen wir davon gerne weiter. Das Leben wird ja manchmal schöner, wenn man auch mal teilt und dann die Freude in den Augen der anderen sehen kann. Natürlich nur, wenn man sich nicht mit Mies-Menschen umgibt, die einem für jeden gereichten Finger eine Misere einbringen – aber die Lebensweisheiten stehen nochmal auf einem anderen Blatt. Weiter im Text und zurück zum Thema: Kurztrip-Superstars auf der Landkarte.

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4,5 Stunden entfernt von Berlin, unweit der Grenze, verbirgt sich ein Schatz, ein Kleinod, das einen pittoresken Regen des Staunens auf jedem Besucher niedergehen lässt: Mariánské Lázně (Marienbad). Unser erster Rundgang geschah nach einem üppigem, mehrgängigen Mahl, einer Selektion böhmischer Knödelvariationen nebst Braten und Bieren, getoppt von Apfelstrudel, der weich und zart war, nicht zersplitternd knusprig und uns sage und schreibe nur 23 Euro für zwei satte Münder gekostet hat. Erstes AHA-Erlebnis sozusagen. Von den Lichtern des Zentrums angezogen, liefen wir etwas übermütig beschleunigend kunstvollen Fassaden von Villen und Stadthäusern entgegen, wo man eigentlich flanieren sollte, denn wenn dieses Wort irgendwo Bedeutung erfährt, dann an diesem ehrwürdigen Kur-Ort. Würde man heutzutage noch von Jauchzen sprechen, wir hätte so was von gejauchzt vor Freude und Staunen ob dieses wundersamen Städtchens. Die Parkwege schwingen dort weit, die Häuser erinnern an Paris, nur weniger abgenutzt, dafür wie mit Zuckerguss überzogen. Irgendwo zwischen „La vie est belle“ und Glanz und Gloria eines „Grand Hotel Budapest“ im Wes Anderson’schen Sinne zogen wir also die Straßen entlang. Hinter Fenstern tanzten die Menschen ruhig und festlich zu Pianomusik und wir versuchten niemanden mit unserem platt gedrückten Gesichtern zu ängstigen. Für uns war es wie ein Film, der wahr geworden war.

Plötzlich machte auch die Poesie des Jungen Werthers Sinn. Denn fernab miefiger Klassenräume, hier in Marienbad, wo sich auch Goethe nebst anderen Dichtern und Königen zum Baden, Kurieren und Wiederaufleben einfanden, herrscht Atmosphäre, die einen nicht kalt lässt. Wessen Mund sich da nicht mal kurz um den Terminus „Romantik“ schlingt, der muss wohl einen Eisklumpen anstelle eines wild pochenden Herzens in der Brust tragen. So.

Wir haben es jetzt schon angedeutet. Während wir nur eine rasend kurze Auszeit suchten vom Alltag, sollte man eigentlich nach Marienbad kommen, um zu Erholen wie es im Buche steht. „Wellness“ heißt das heute im Jargon überarbeiteter Menschenkinder. Hier geht das im Glanzlicht vergangener Tage und zu Preisen, die auch Weniger-Verdiener aufatmen lassen. 5 Tage mit Anwendungen und Pipapo, Vollpension und erstem Hotel am Platz gibt es für unter 500 Euro. Wer dann noch in den Schwarzwald oder an die Nordsee fährt, ist selber schuld. Haben wir erwähnt wie gut die Luft ist? Unser Kleinod liegt nämlich umgeben sattgrüner Wälder. Es gibt es obendrauf ein Hochmoor zum Wandern, zum Radeln, zum Atmen. Was als Zwischenstopp auf unseren Radar rückte, sollte ganz bald zum Ziel einer Reise werden.

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